Kneipe

Fleximan

Zwei Jahre lang trotzte er den italienischen Behörden, ohne Spuren zu hinterlassen. Keine Festnahme, keine Identität, nicht einmal eine klar identifizierbare Person. Nur ein Spitzname, der sich rasant verbreitete: Fleximan. Der Mann, oder besser gesagt die Gruppe, mit dem Winkelschleifer ist zurück. Und er schlägt wieder zu.

Diese Woche wurden in der Nähe von Turin zwei weitere Blitzer auf einem Straßenabschnitt mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h, wo die Geräte seit 2023 in Betrieb waren, sauber demontiert. Eine saubere, schnelle Aktion bei Nacht. Typisches Vorgehen. Die vorläufige Bilanz: Mindestens fünfzehn zerstörte Blitzer seit Beginn dieses seltsamen Straßenkriegs.

Italien hat nicht nur ein Problem mit Geschwindigkeitsübertretungen, sondern auch mit seinen Blitzern. 10 000 Mit seinen installierten Geräten hält das Land den europäischen Rekord für die Radardichte pro Kilometer. Das Beunruhigendste daran? Kaum. 1 000 würde tatsächlich genehmigt werden. Der Rest bewegt sich in einer administrativen Grauzone, die Misstrauen, Wut und Erschöpfung schürt.

In einigen Gemeinden Radar werden nicht mehr als Sicherheitsinstrumente, sondern als kommunale Geldquellen betrachtet. Bußgelder Sie erwirtschaften jährlich Milliarden von Euro und werden so zu einer strukturellen Haushaltsressource für viele Kleinstädte. Genau in diesem Spannungsfeld entstand Fleximan.

Fleximan

Fleximan ist kein Held. Er ist ein Symptom.

Im Gegensatz zum romantischen Bild des einsamen Selbstjustizlers, Fleximan Es ist eher eine Idee in Bewegung. Eine kollektive, anonyme, fast militante Aktion, geboren aus weitverbreiteter Frustration.

Hier geht es nicht nur um Geschwindigkeit oder Verkehrssicherheit. Es geht um einen Vertrauensverlust zwischen Bürgern und Institutionen.

Der Widerspruch ist eklatant: Auf dem kürzlich ins Visier genommenen Straßenabschnitt behaupten die lokalen Behörden, dass die Unfallzahlen seit der Installation der Geschwindigkeitskameras zurückgegangen seien. Der Bürgermeister, dessen Gemeinde diese Geräte direkt verwaltet, äußerte sich unmissverständlich: Anarchie darf nicht herrschen. Die Geschwindigkeitskameras werden wieder installiert.. "

Aus institutioneller Sicht hat er Recht. Der Staat kann die Zerstörung öffentlicher Infrastruktur nicht ungestraft dulden. Das Problem liegt jedoch woanders.

Fleximan existiert nicht, weil Italiener gerne Gesetze brechen. Es existiert, weil die Grenze zwischen Prävention und Besteuerung verschwommen ist. Zu viele Blitzer, zu schlecht erklärt, zu oft als willkürlich empfunden. Die Folge: ein wilder, illegaler, aber aufschlussreicher Protest.

Und genau darin liegt die Gefahr für den italienischen Staat: Solange niemand verhaftet wird, solange die Ursachen nicht angegangen werden, wird Fleximan weiterbestehen. Unter diesem oder einem anderen Namen. Mit Winkelschleifer oder auf andere Weise.

Denn wenn eine politische Maßnahme ihre gesellschaftliche Legitimität verliert, wird sie unweigerlich angegriffen – symbolisch oder physisch. Fleximan ist nicht die Lösung. Aber es ist das Warnsignal, das niemand mehr hören will.

Fleximan